Tinder, Speeddating & Co: Au revoir Singledasein?

Als Single hat man’s nicht leicht – oder doch, zumindest in manchen Dingen. Essen? Alles meins! (Mit allerdings deutlich reduzierter Koch-Motivation.) Schlafen? Dieses Bett gehört mir! (Auf Gekuschel muss jedoch verzichtet werden.) Schrullige Verhaltensweisen? (Á la: Nur mit L/R-beschrifteten Wandersocken bekleidet durch die Wohnung stolzieren und dazu Close every door aus Andrew Lloyd Webbers Joseph trällern.) Wen kümmert’s!

Doch wenn man eine Person ist, die gern teilt, mit anderen lacht, ein Mensch ist, der (körperliche) Nähe sucht, sich verlieben möchte, ein Kuscheltier und Familienmensch ist … Ja, dann ist Singlesein gar nicht so lustig. Unter uns gesprochen: Für mich ist dieser Zustand weder erwünscht noch gewollt. Ich möchte eine (feste) Partnerin, mit der ich alle Freuden des Lebens genießen und die Herausforderungen des Daseins meistern kann.

Aber wo soll man(n) einen passenden Bratpfannensiedetopf finden? Gerade jetzt, in Zeiten von Corona? Ein Glück, dass es zahllose Möglichkeiten gibt, Menschen rasch und unkompliziert kennenzulernen. Deshalb habe ich mich an der Nase genommen und bin in die Datingszene eingetaucht. Hier findet ihr meine (vorläufigen) Erfahrungen zu verschiedenen Apps und illustren Kennenlerntechniken.

Tinder
Wenn alle tindern, muss die App doch gut sein, oder? Also zwei Monate Luxus-Bezahlabo gebucht. Täglich mehrere Matches – genial! Allerdings schreiben neun von zehn Matches nicht oder nur einmal zurück. Fake-Profile? Falsche Anrede? (Etwa: Sehr geehrte Frau Unbekannt! Sie haben mein animalisches Interesse geweckt. Melden Sie sich doch bei meiner bisexuellen Sekretärin zwecks Vereinbarung eines Inseminationstermins …) Auf Tinder gibt es vor allem drei Arten von Frauen: 1) Alles künstlich, 2) Total abgehoben, 3) Ich schau nur. Ein paar Dates hatte ich trotzdem. Eh ganz nett. Aber leider ganz anders, als erwartet. Nicht so humorvoll, herzlich und chemisch stimmig wie gedacht. Außerdem gibt es auf Tinder augenscheinlich kein einziges Foto, das nicht sämtliche Photoshop-Filter durchlaufen hat. Fazit: Unbefriedigend – App gelöscht.

Bumble
Die „kleine Schwester“ von Tinder. Angeblich war die Chefin von Bumble zuerst in der Führungsriege bei Tinder und mit den aufdringlichen Männern unzufrieden. Merkt man auch. Bei Bumble schreibt Frau nach einem Match zuerst an – und das finde ich gut! Die Auswahl an potenziellen Partnerinnen ist im Vergleich zu Tinder überschaubar, dafür finden sich hier (nach meinen Swipe-Erfahrungen) mehr ansprechende und vor allem natürlichere Profile. Außerdem kann man in der App einige Filter definieren – z. B. Raucherinnen ausschließen (ein No-Go für mich) oder nur Frauen anzeigen lassen, die eine feste Beziehung suchen. Ein, zwei spannende Dates haben sich bei Bumble bereits ergeben. Vorläufiges Fazit: Wenig Matches, dann aber erfreulich stimmig – App behalten.

Bumble-Update – Achtung, Abo-Falle! Da es bei Bumble ohne bezahlte Services so gut wie keine Matches gab, habe ich mir ein paar Spotlights und einen Tages-Boost gegönnt; dachte ich zumindest. Denn dieser Tages-Boost war tatsächlich ein fortlaufendes Abo (natürlich klein und versteckt angekündigt). Ein paar Tage später kam die böse Überraschung: Es wurden, mehrere Tage nach der Aktivierung, täglich Abbuchungen von Bumble durchgeführt – laut Service-Auskunft „können sich die Daten der Transaktionen etwas verzögern“. Na klar. Selbst bei Tinder kam die Abbuchung spätestens am nächsten Werktag. Natürlich habe ich das Abo sofort gekündigt. Ärgerlich ist es trotzdem. Vor allem gab es durch den Bezahlservice auch nicht nennenswert mehr Matches – was vielleicht daran liegt, dass die Plattform nur wenig Benutzer hat (was mich inzwischen nicht mehr wundert). Auf diesem Weg Taschengeld lukrieren, ist definitiv der falsche Weg, Bumble! Fazit: App auf Nimmerwiedersehen gelöscht.

Okcupid
Die Dating-Plattform mit der vielleicht höchsten Dichte an Alternativlingen, Weltverbesserern, Veganern, künstlerisch Hyperbegabten – kann man mögen oder nicht. Nach einem Like steht es einem frei, sogleich eine Nachricht (eine sogenannte Intro) an die vermutete Traumprinzessin zu schreiben. Diese Nachricht kann frau aber nur lesen, wenn sie auch gegenliket; und das geschieht recht selten. Auffällige Häufung an jungen, knapp bekleideten Frauen mit fernöstlichem Einschlag, die mit Fotos in gewagten Positionen aufwarten. Manch interessante Schreiberei hat sich ergeben, auch das eine oder andere Date mit durchwachsenen Erfahrungen. Fazit: Spannender als Tinder, unbefriedigender als Bumble – App (noch) behalten.

Andere Dating-Apps
Gibt es wie Sand am Meer. Habe ich aber nicht näher getestet. Lovoo, Badoo, Candidate, und wie sie alle heißen – entweder nicht interessant genug, zu viel Spam/Werbung, seltsames Konzept oder gefüllt mit Fake-Profilen. Man(n) muss nicht alle(s) haben.

Parship
Angeblich die größte Single-Vermittlungsplattform im deutschsprachigen Raum. Habe sie dennoch nicht versucht, unter anderem aufgrund der hohen Kosten, der Bindungsdauer und dem Altersdurchschnitt, welcher deutlich über dem bei Tinder und Bumble liegt. Trefferquote angeblich aber hoch. Na ja, vielleicht irgendwann mal …

Elitepartner
Ernsthaft? Allein die unprätentiöse Bezeichnung sagt schon einiges aus. Außerdem schweineteuer. Nein, danke!

Freizeitpartnerbörse
Eigentlich keine Dating-Plattform, sondern eine populäre Seite im deutschsprachigen Raum, um Gleichgesinnte für verschiedene Freizeitaktivitäten zu finden. Das Durchschnittsalter vermute ich um vierzig, die Auswahl an (weiblichen) Personen unter dreißig nimmt logarithmisch ab; und hier sind viele Registrierte keine Singles, sondern suchen lediglich platonische Bekanntschaften. Trotzdem: Wenig relevante, dann aber interessante Single-Persönlichkeiten mit Herz, Charakter und sportlichen Ambitionen, was mir sehr entgegen kommt. Fazit: Freizeitpartner ist besser als kein Partner – App behalten.

Speeddating
Ich bin definitiv nicht der Fan von langen Online-Romanschreibkursen. Am liebsten treffe ich interessante Frauen sofort. Also weshalb nicht mal Speeddating versuchen? Das Konzept ist simpel: Man trifft sich in einem halb öffentlichen Rahmen (in meinem Fall: abgegrenzter Bereich einer Hotelbar) und setzt sich paarweise zusammen. Fünf Minuten lang kann man über Gott und die Welt plaudern (oder sich mangels chemischer Reaktionen anschweigen), anschließend stehen die Männer auf und gehen an den nächsten Tisch. Auf diese Weise kann sich jedes Weiblein mit jedem Männlein austauschen; aber nur sehr kurz, wohlgemerkt. Daher finde ich die Bezeichnung Speeddating auch unpassend – eher sollte man von Speed-Kennenlernen sprechen. Im Anschluss an das Treffen werden online die persönlichen Likes vergeben, also Personen angekreuzt, die man wiedersehen möchte. Hat die auserwählte Person ebenfalls ein Like ausgestellt, kommt es zu einem Match und die Kontaktdaten werden ausgetauscht. Ein paar der Gespräche fand ich durchaus nett. Auch zwei, drei Matches haben sich ergeben. Alles Weitere wird sich zeigen. Fazit: Interessante Erfahrung inklusive Spontanitäts- und Kommunikationsschulung – gern mal wieder.

Slowdating
Noch nicht versucht, steht aber auf meiner Agenda. Idee dahinter: Singles kennenlernen in zwangloser, entspannter Atmosphäre, etwa beim Sport, bei Gesellschafts- oder Rätselspielen – und das mit weniger Zeitdruck, als beim Speeddating. Hat in meinen Augen Potenzial, ein Erfahrungsbericht wird ggf. nachgeliefert.

Fazit vom Fazit: Single sein ist keine Kunst. Möglichkeiten, das Singledasein zu beenden, gibt es viele. Aber die Auswahl einer Möglichkeit ist weder Garant noch ausschlaggebend für den Erfolg. Ich glaube, viel wichtiger sind Offenheit, Lebensfreude, Toleranz, der ehrliche Wunsch nach einer Partnerschaft – und eine vernünftige Erwartungshaltung ^^

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