Schweinerei!

Vor einigen Tagen hatte ich eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Es begann wie üblich: Sechs Uhr morgens aufgestanden, sechs Uhr dreißig ab in die Lobau, sechs Uhr fünfunddreißig losgelaufen; die Straße entlang, denn abseits war alles matschig. Da es unter der Woche war, fand sich außer mir keine Menschenseele.

Was nun geschah, hat sich in wenigen Sekunden abgespielt – subjektiv war es aber viel länger.
Unvermittelt bricht aus dem Gebüsch auf der linken Seite, nur zehn Meter von mir entfernt, ein Schwein; ein Wildschwein, um genau zu sein: groß, braun, behaart – und überhaupt nicht in Eile. Gemächlich trottet es über die Straße, als ein zweites Schwein aus dem Dickicht springt und hinter Wildschwein Nummer eins herläuft; und zwar viel schneller. Als Schwein Nummer zwei Schwein Nummer eins fast eingeholt hat, geschieht das Unglaubliche: Schwein Nummer zwei spricht!
Es sagt: „Grunz!“ Tief, kurz und ein bisschen gereizt.
Doch in meinen Ohren erklingt kein „Grunz“. Irgendjemand flüstert mir die Übersetzung zu; oder nein, eine ganze Reihe an Übersetzungen:
„Tempo!“
„Beeil dich!“
„Beweg deinen fetten Hintern!“
„Schwing deine Schweinshaxen, da kommt so ein doofer Zweibeiner!“
Was tut Schwein Nummer eins? Es wirft mir einen erschrockenen Blick zu, beschleunigt abrupt und saust in das Gebüsch auf der anderen Seite. Dicht gefolgt von Wildschwein Nummer zwei.

Ich bin eine Spur langsamer geworden – zum Stehenbleiben war nicht genug Zeit – und werfe den beiden davonwackelnden Schweineärschen einen Blick zu. Zwei kurze, besänftigte Grunzer dringen an mein Ohr. Ich vermute, sie sollen „Das nächste Mal ein bisschen flotter.“ bedeuten.

Ich habe meine Laufrunde beendet, ohne weitere schweinische Zwischenfälle.
Was man aus dieser Geschichte lernen kann? Schweine sind auch nur Menschen!
 

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