Die Lobau stinkt!

Nun ist es amtlich. Wie von ganz offizieller Stelle in einer Presseaussendung mitgeteilt worden ist, gab es in der Wiener Lobau, dem Nationalpark Donauauen, schwerwiegende Zwischenfälle, die nicht länger unter den Teppich gekehrt werden können. Hier die Details:
 
Tatbestand:
Intensiver Geruch nach Öl, Benzin u. dgl.
Zitat eines Betroffenen: „Hier stinkt’s wie ’ne Tankstelle!“
 
Tatort:
Nationalpark Lobau in Wien, bevorzugt in der Oberen Lobau.
 
Tatzeitpunkt:
November bis März, im Schnitt einmal pro Woche.
 
Täter:
Konnte als „Ölhafen Lobau“ identifiziert werden.
 
Tatursachen:
Schwache bodennahe Luftströmungen aus Südost bis Südwest führen im Winterhalbjahr bei Inversionen, klarer Luft und unbelaubten Bäumen zu einer horizontalen Ausbreitung der gasförmigen Ölderivate. Dabei können große Teile des Oberen und teilweise auch der Unteren Lobau von den Geruchsimpressionen betroffen sein.
 
Tatverschärfung:
Zusätzlich zu der Geruchsproblematik wurde in ausnehmenden Ausnahmefällen von weiteren Zwischenfällen berichtet, die da sind:
- beißwütige freilaufende Hunde trotz allgemeiner Leinenpflicht
- überhöhte Geschwindigkeit illegaler Fahrzeuge auf der Vorwerkstraße
- großflächig invasiver Neophyten-Befall durch Ailanthus altissima (Götterbaum)
- atypischer Baumbestand im ehemaligen Überschwemmungsgebiet
- Verbuschung von artenreichen Trockenrasen und Heißländen
 
Lösungsvorschläge (gereiht nach Priorität):
1) Abtragung des Ölhafens Lobau, der Gebäude und Lagerstätten bis in 100m Tiefe; überschütten des entstandenen Lochs mit Saharasand; pflanzen von Dattelpalmen und Wüstenkakteen; Etablierung der Ferieninitiative „Im Wüstensand am Donaustrand“.
2) Errichtung einer Glaskuppel über dem Gelände des Ölhafens; Zugang über dreistufige Schleusen; Umdisponierung vom Schiffstransport auf den U-Boot-Verkehr.
3) Verteilung von Gasmasken an Nationalparkbesucher; an allen potenziell kritischen Tagen und an sämtlichen Zugängen zur Oberen und Unteren Lobau.
4) Meinungsbildungskampagne mit Schildern, Inseraten und Flugblättern, etwa so:
 
Sehr geehrte Besucher des Nationalparks Lobau!
 
Inzwischen konnte die Ursache für die Geruchsbelästigung in ihrem geliebten Naherholungsgebiet festgestellt werden. Sie hat nichts mit illegalen Müllablagerungen oder gar dem Ölhafen Lobau zu tun. Tatsächlich handelt es sich um eine eingeschleppte Baumart, dem sogenannten „Ölduftholz“. Derzeit werden Anstrengungen unternommen, die invasive Spezies wieder aus dem Nationalparkgebiet zu entfernen. Bis dahin danken wir für Ihr Verständnis!
 
die zuständigen Sachbearbeiter der MA 48
(im Auftrag des Stadtsenats unter Führung von Erzengel Michael)

 
Abschließender Kommentar:
Glücklicherweise handelt es sich bei der Lobau um einen Nationalpark. Damit besteht Verschlechterungsverbot. Das heißt, es wird zumindest nicht schlimmer werden. Und schon gar nicht werden eigenwillige Ideen – wie etwa die Durch- oder Unterquerung der Lobau per Autobahn – durchgeführt. Deshalb ist es wichtig, JA zum Nationalpark zu sagen. Auch ist er ein Statussymbol, das Bewusstsein schafft und hilft, die Natur in der Stadt zu erhalten. Davon abgesehen sind die Donauauen die meiste Zeit des Jahres ein wunderschöner Ort zum Verweilen und Sport betreiben.
 
Ja, manchmal stinkt die Lobau. Aber immer noch besser als Gestank ohne Au.
 

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